Einzelkatzen

Einzelkatzen

Ich rege mich pausenlos über Leute auf, die sich eine (1) Jungkatze aus dem Tierheim, vom Züchter oder aus der Zeitung beschaffen und diese dann ohne Katzengesellschaft als Wohnungskatze halten.
Und dann naiv-dümmlich behaupten, dass ihre Katze die Gesellschaft einer anderen Katze nicht vermissen würde und glücklich wäre. Das wüssten sie ganz sicher. Ausserdem würden sie sich ja viel mit der Katze beschäftigen. Und überhaupt, Katzen wären Einzelgänger.
Dem ist nicht so. Katzen sind keine Einzelgänger, auch wenn sich dieses Gerücht immer noch hartnäckig hält und ganze Katzenthread-Horden dies immer und immer wieder behaupten.
Einzeln gehaltene Katzenkinder sind das Traurigste, was es gibt.

Erst kürzlich wieder. Jemand holt sich eine Rassekatze vom Züchter und erzählt, er würde ihr täglich etwas vorlesen, damit sie sich nicht langweilt. Trotz des Bildungsangebotes verhält sich die Katze nicht so, wie der Katzenkäufer es gerne hätte, sondern hockt zurückgezogen in der Ecke. Unverschämtheit von diesem Viech, schliesslich hat es Geld gekostet und funktioniert trotzdem nicht.
Ja, ihr lest richtig. Nein, ich habe das nicht erfunden. Solche Leute gibts und die meinen das ernst. Auf die Frage, warum man denn kein zweites Kätzchen dazu genommen habe, kam die Antwort "Es hat mir beim Züchter optisch keine andere Katze zugesagt".
Aha, ich verstehe. Und eine schwarzweisse Kuhkatze aus dem Tierheim passt nicht zum Sofa und ein Tiger nicht zum Perserteppich und eine Glückskatze wäre der optische Supergau zu den Gardinen. *tilt*

Selbstverständlich mögen es die meisten Katzen, wenn man ihnen etwas vorliest, vorsingt oder einfach Märchen erzählt. Ich mache das mit meinen dauernd. Ich erfinde alberne Liedchen, baue die Namen meiner Katzen und meines Hundes in den Text ein und sie finden es toll. Katzen und Hunde finden es überhaupt toll, wenn Frauchen und Herrchen sich für sie zum Affen machen. Die Märchen von Schneeweisschen-Emmi und Rosen-Fiete oder Rosanäschen und dem kleinen Franzibär lassen sie sich auch zum 100sten mal gerne erzählen 😀

Klar könnte man ihnen auch das Telefonbuch oder 'Die Legende von der Entstehung des Buches Taoteking auf dem Weg des Laotse in die Emigration' stattdessen vorlesen (nichts gegen Brecht!).
Aber weil man dabei selbst nicht so viel Spass hätte, hätten die Katzen ihn auch nicht. Die merken sehr wohl, wenn ihre Menschen gut drauf sind und lassen sich gerne von guter Laune anstecken.

Aber, bitteschön, wie merkbefreit muss man sein um zu glauben, dass man als Mensch einer Katze die Gesellschaft zumindest einer zweiten Katze ersetzen kann?
Denn dass das nicht geht, weiss jeder mittlerweile, im Zeitalter des Internets und der unzähligen Katzenforen und Katzenblogs und der Aufklärungsarbeit von Tierschutzvereinen. "Aber ich dachte, Katzen wären Einzelgänger", das konnte man vor 10 Jahren noch behaupten. Heute nicht mehr.
Wenn jemand mit dem Gedanken spielt, sich Tiere anzuschaffen, erkundigt man sich im Vorfeld, welche Lebensbedingungen diese Tiere brauchen, oder? Egal ob das nun Hamster oder Vögel oder Katzen sind. Und wenn man das tut, kommt man nicht an der überall plakatierten und in Endlosschleife runtergebeteten Info vorbei, dass man Wohnungskatzen nicht alleine halten soll, weil sie keine Einzelgänger sind.

Natürlich gewöhnen sich Katzen an Einzelhaltung. Sie vergessen früher oder später, dass es ausser ihnen noch andere Katzen auf der Welt gibt. Aber man nimmt ihnen damit ein riesengrosses Stück Lebensqualität weg.

Tierheime sind voll mit Katzen, die aus Einzelhaltung stammen und die auch nur wieder als Einzelkatzen vermittelt werden können. Wenn denn nun jemand unbedingt eine einzelne Katze möchte, so möge er doch bitte auf einen dieser armen Tröpfe zurückgreifen, die durch irgendeinen Idioten ahnungslosen oder gleichgültigen Menschen schon zum Soziopathen gemacht wurden. Aber sich nicht ein Kitten holen und das in Einzelhaft halten! Verdammich nochmal!

Mit der Einzelhaltung müsste es so laufen, wie früher mit Pelzmantelträgerinnen. "Waaaas, du trägst Pelz? Igitt, wie abscheulich". Das wurde den Pelz-Tussis allerorten oft genug an den Kopf geworfen und irgendwann konnte man zuschauen, wie ein Kürschnerladen nach dem anderen zumachte und Webpelze in Mode kamen.
"Waaaas, du hast eine Einzelkatze? Wie abscheulich, wie kannst du nur?". Immer feste druff ist die Devise. Anders lernen es solche Leute nicht.
Quelle: http://haustierwir.blogspot.com/search/label/Einzelkatzen

Autor: Balli