Kastrationspflicht: Tierschützer bekommen Unterstützung von der Landesregierung

Neue Rottweiler Zeitung vom 26.2.18:

Tierschützer bekommen Unterstützung von der Landesregierung

DEISSLINGEN – Tierschützer aus der ganzen Region trafen sich am Freitagabend in Deißlinger Hotel Hirt, und dabei ging es um Katzen. Um Streunerkatzen im Besonderen, und das Ziel ist klar: Eine Kastrations- und Kennzeichnungspflicht für alle Katzen, die frei rumlaufen. Also auch für die, die jemanden gehören, damit auch sie nicht weiter wilden oder halbwilden Nachwuchs in die Welt setzen.

Denn verwilderte Katzen gibt es schon zu viele, sagen die Tierschützer, und die sind oft krank. Also fangen die Ehrenamtlichen sie ein, sofern sie ihrer habhaft werden, und lassen sie kastrieren. Das aber kostet viel Geld. Und Marion Schmoll, die Organisatorin des Treffens, hat schon allerhand erlebt. Auch Leute, die sagen: „Wenn ich eine verwilderte Katze sehe, erschieß ich sie”, erzählt sie. Schmoll und ihre Mitstreiter haben sich in der Organisation “Kaschka” zusammengetan. Das ist ein Zusammenschluss von Tierschutzvereinen, Tierärzten, der Tierrettung und der Tierschutzpartei, deren Ziel eben die Kastrationspflicht ist. „Wir wollen das Leid minimieren“, so Schmoll.

Unterstützung bekommen die Tierschützer von Dr. Julia Stubenbordt, der Tierschutzbeauftragten der Landesregierung. Sie kam mit ihrer Mitarbeiterin Ariane Kari nach Deißlingen und gab hilfreiche Tipps. „Die Katze ist das Wegwerftier Nummer eins!“, betonte Stubenbordt, selbst Katzenhalterin. Und dass die Arbeit der Ehrenamtlichen im Tierschutz unerlässlich ist: „Der Staat kann gar nicht leisten, was die Ehrenamtlichen leisten!“

Sie bot Hilfe an, und informierte zusammen mit Ariane Kari über die Schwierigkeiten, eine solche Kastrationspflicht durchzusetzen. Auch deshalb, weil für Gefahrenabwehr das Innenministerium zuständig ist, für den Tierschutz aber das Landwirtschaftsministerium. Ein Rat für die Tierschützer: Sie sollten dokumentieren, dass die wildlebenden Katzen krank sind und leiden. So könnte im Rahmen des Tierschutzgesetzes eine solche Verordnung durchgesetzt werden.

Bis dahin sei es sinnvoll, Regelungen auf kommunaler Ebene zu finden. So hat beispielsweise die Gemeinde St. Blasien letztes Jahr eine solche beschlossen, wer hier seine Katze nicht kastrieren und mit einem Chip oder einer Tätowierung versehen lässt, zahlt bis zu 1000 Euro Strafe. In mehreren Städten in Nordrhein-Westfalen, darunter Hildesheim und Verden, gibt es diese Verordnungen schon lange, in Belgien müssen alle Tierhalter ihre Katzen kastrieren und kennzeichnen lassen. Man darf nun gespannt sein, ob sich das auch in Baden-Württemberg durchsetzt. Eine Erleichterung würde es auch für die Tierheime bedeuten, die jetzt schon oft mit den vielen Fundkatzen an ihre Grenzen kommen.”

Quelle:https://www.nrwz.de/kreis-rottweil/tierschuetzer-bekommen-unterstuetzung-von-der-landesregierung/197334