Umgang mit Fundtieren

Eine Katze ist zugelaufen! Was ist zu tun?!

Viele kennen diese Situation: plötzlich schleicht eine unbekannte, vor Hunger kläglich miauende Katze übers Grundstück; ihr Aussehen und Verhalten lässt darauf schließen, dass sie ihr Zuhause verloren hat. Wurde sie ausgesetzt? Handelt es sich um einen herrenlosen Streuner? Spontan nimmt man sich des armen Tieres an. Hierbei ist einiges zu beachten und zu tun, zudem ist die Rechtslage nicht ganz unkompliziert.

Checkliste: Worauf ist zu achten:

Lassen Aussehen und Verhalten darauf schließen, dass die Katze einen Eigentümer hat? (Zutraulichkeit, guter Ernährungszustand, Tätowierung im Ohr, Halsband?)

Macht die Katze einen verletzten, verwahrlosten oder kranken Eindruck? – Unverzüglich einen Tierarzt aufsuchen

Meldung des „Fundes“ beim zuständigen örtlichen Ordnungsamt / Fundbüro und Tierheim. Die Meldung bei der Stadt / Ordnungsamt sollte schriftlich erfolgen, da ansonsten kein Anspruch auf Erstattung entstehender Kosten (v.a. Tierarzt) besteht.

Erstversorgung: Wasser anbieten (keine Milch!), ggf. Katzenfutter besorgen

Aufsuchen eines Tierarztes; dieser beurteilt nicht nur den allgemeinen Gesundheitszustand des Tieres, sondern kann auch feststellen, ob ein Registrierungschip implantiert wurde, mit dessen Hilfe die Besitzer ausfindig gemacht werden können.

Katzenbabies sollten immer sofort zum Tierarzt gebracht werden – sie benötigen ggf. Muttermilchersatz

Grundsätzlich müssen Sie sich entscheiden, ob sie das Tier im zuständigen Tierheim abgeben, oder es selber sozusagen in Pflege nehmen wollen, bis die Besitzverhältnisse geklärt sind. Beachten Sie dabei bitte, dass der „Besitzanspruch“ erst nach einer Frist von 6 Monaten an Sie als neuen Halter übergeht. Bis dahin gehört das Tier rechtlich dem Vorbesitzer!

Auf alle Fälle sollte man alles unternehmen, die Besitzer ausfindig zu machen – Tierheime, Tierschutzvereine über den Fund informieren, den Registrierungsstatus des Tieres abklären (Tätowierung oder Chip), ggf. entsprechende Inserate schalten.

Die Rechtslage im Überblick:   

Juristisch gelten zugelaufene Katzen als „Fundsache“- und unterliegen damit den einschlägigen Bestimmungen des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB §§ 965-984).

Fundtiere sind juristisch definiert als entlaufene, verirrte bzw. verlorengegangene Tiere, deren Besitzer meist unbekannt sind. Fundtiere sind von der zuständigen Behörde zu verwahren und zu versorgen (Fundrecht in BGB §§ 960 ff). Daher besteht sofortige Meldepflicht beim Ordnungsamt und Abklärung der weiteren Versorgung.

Unter herrenlosen Tieren versteht das bürgerliche Recht Tiere, an denen kein Eigentum besteht (BGB ff 958-964). Dies können sowohl ausgesetzte bzw. freilebende / verwilderte Haustiere oder Wildtiere sein. Eine Aneignung herrenloser Tiere ist grundsätzlich möglich; damit verbunden ist die Übernahme der Verpflichtung dieses Tier entsprechend dem Tierschutzgesetz artgrecht zu ernähren, zu pflegen und unterzubringen.

Gemäß BGB erwirbt ein Finder (bzw. bei dessen Verzicht die Fundbehörde) das Eigentum an einem Fundtier nach einem Zeitraum von 6 Monaten (beginnend mit der Anzeige des Fundes) – vorausgesetzt, der Besitzer bleibt unbekannt. Innerhalb dieses Zeitraumes hat der Besitzer einen Anspruch auf Herausgabe des Tieres. Eine frühere Abgabe von Fundtieren an Interessenten kann deshalb nur unter Eigentumsvorbehalt erfolgen.

Kostenübernahme für die Versorgung von Fundtieren: Die Gesetzeslage „Fundtier“ hat zur Folge, dass die Städte/Gemeinden die Kosten für Ernährung, Pflege, Unterbringung und tierärztliche Versorgung tragen müssen. Nach Auffassung der zuständigen Ministerien von Bayern, Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg besteht Erstattungspflicht der Gemeinden als Fundbehörden für die Kosten unaufschiebbarer Behandlungen verletzt oder krank aufgefundener Tiere auch dann, wenn der Finder ein dringend behandlungsbedürftiges Tier direkt zum Tierarzt bringt (Möbius: Rechtliche Fragen im Zusammenhang mit Fund- und herrenlosen Tieren; Tierärztl. Umschau 52, 658-666).

Quellen / Weiterführende Informationen:

http://www.tierschutzunion.org/tierschutz-allgemein/

http://www.vetmed.de/vet/download/rechtssituation_fundtiere.htm

http://bv-tierschutz.de/tierschutzthemen/tier-und-recht/fundtiere/

http://www.tierheim-aachen.de/index.php/tierschutz/umgang-mit-fundtieren

http://www.katzenschutzverordnung.katzenhilfe-westerwald.de/umgang-mit-fundtieren